CAECILIA: Hast du das Gefühl, es gibt signifikante Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Schwangerschaft für dich, sowohl körperlich als auch emotional?
GRETA: Ja, total. Also ich bin nicht mehr so naiv, weil beim ersten Mal habe ich alles zelebriert und war die ganze Zeit auf den Bauch fokussiert. Jetzt hat man natürlich weniger Zeit, weil man auch ein Kleinkind zu Hause hat und das lässt einem keine Zeit mehr, sich voll auf die Schwangerschaft zu konzentrieren. Es läuft alles ein bisschen nebenher. Manchmal denke ich, ja stimmt, da ist ja noch etwas. Ich bin noch schwanger – ich vergesse das ziemlich oft. Auch körperlich hat mein Körper lange gebraucht, sich wieder anzupassen. Emotional ist es ebenfalls so, dass ich nicht mehr denke: ‘Oh, es ist so schön, schwanger zu sein.’ Stattdessen denke ich: ‘Oh Scheiße, jetzt geht alles nochmal von vorne los.’ Es ist schon eine lange Reise, dieses Schwangersein.
CAECILIA: Hast du irgendwie Angst oder Zweifel davor, wie das für deine Tochter sein wird mit dem zweiten Kind?
GRETA: Ja, also ich zeige ihr den Bauch und sage ihr, dass da ein Baby drin ist, und dann streichelt sie den auch und gibt ein Küsschen. Manchmal schlägt sie aber auch wieder drauf und macht das Gleiche beim Papa. Dann zeigt sie auf ihn und sagt immer: ‘Baby, da ist auch ein Baby drin.’ Ja, aber ich glaube, sie weiß überhaupt nicht, was das bedeutet. Aber wir reden darüber, wir haben auch Bücher, die das Thema behandeln. Ich mache mir keine Sorgen, dass es sie völlig aus der Bahn werfen wird, aber es ist natürlich eine große Veränderung. Eine Freundin hat mal gesagt, dass, wenn man ein zweites Kind bekommt, das erste eigentlich die meiste Aufmerksamkeit braucht.
CAECILIA: Und deswegen sind die zweiten Kinder oft viel entspannter als die ersten, weil sie keine andere Wahl haben. Sie müssen entspannt sein. Haha. Kannst du einen Moment beschreiben, in dem du emotional realisiert hast, dass das wirklich passiert?
GRETA: Eigentlich nicht. Es ist eher so ein Gesamtgefühl, aber es gab nicht diesen einen Moment. Es gibt jeden Tag kleine Momente, wenn das Baby tritt oder wenn ich meinen Bauch im Spiegel sehe, in denen ich denke: ‘Oh, es passiert wirklich.’ Es sind eher ganz viele kleine Momente.

CAECILIA: Ja, wir haben schon kurz über Zweifel gesprochen. Wie ist das im Allgemeinen mit Zweifeln oder Ängsten in Bezug auf diesen neuen Lebensabschnitt?
GRETA: Ja, es ist schon so, dass wir nicht an dem Punkt waren, wo wir dachten: ‘Oh, es läuft so gut, jetzt sind wir bereit für ein zweites Kind, weil alles so entspannt ist und wir alles im Griff haben.’ Man macht sich eher Gedanken: Wie wird das mit zwei Kindern? Wie geht man mit zwei Kindern raus? Wie handelt man mit zwei Kindern, die ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben? Bei einem Kind hat man das Gefühl, man ist in der Überzahl – mein Partner ist da, ich bin da, man kann sich gut aufteilen. Aber mit zwei Kindern stellt man sich die Frage: Oh Gott, wie wird das? So wie man sich beim ersten Kind nicht vorstellen konnte, wie es sein würde, kann man es sich beim zweiten Kind genauso wenig vorstellen.
Mama-Sein und Ich-Sein, balancieren zwischen Hingabe und Selbstliebe
CAECILIA: Hast du in Bezug auf deine eigenen Eltern oder deine Familie neue Perspektiven entwickelt, seitdem du schwanger bist oder seitdem du Mutter geworden bist?
GRETA: Ja, auf jeden Fall, weil man bringt ja total viel mit. Ich bringe viel mit, und mein Freund bringt auch viel mit. Es gibt viele Dinge, die mir bewusst geworden sind, die ich in meiner eigenen Kindheit erfahren habe und die ich gerne anders machen würde. Aber oft merkt man, dass es gar nicht so leicht ist, aus diesen Mustern auszubrechen. Man denkt: ‘Ja, das werde ich auf jeden Fall anders machen,’ aber wenn man in der Situation ist, fällt es einem doch schwer, die Dinge anders zu machen. Ich bin in einem sehr behüteten Elternhaus groß geworden – alles war Waldorf, alles selbstgemacht, ein bisschen isoliert von der Außenwelt, wie in Watte gepackt. Da wünsche ich mir, mehr loslassen zu können und auch mehr auf mich selbst zu achten. Meine Mutter hat sich oft vergessen und alles für uns getan, dabei aber sich selbst aufgegeben. Und ich hab mir oft gedacht so: ‘Hey, jetzt kommst mal erst du Mama und dann kommen wir, schau mal, dass es dir gut geht und geb dich mal nicht auf wegen uns.’ Das ist ein Punkt, auf den ich achten will: Loslassen und auch abgeben zu können, und zu akzeptieren, wenn andere – wie mein Partner oder die Großeltern – Dinge anders machen als ich.
CAECILIA : Es ist total schön, dass du das ansprichst, weil das ja auch ein Kernthema von uns ist und unsere Message für das Label prägt. Es ist so wichtig, dass die Frau sich nicht verliert, weil das am Ende niemandem hilft. Es gibt sicher Gründe, warum du dir als Kind gewünscht hast, dass deine Mama zuerst an sich denkt – das hat ja auch Auswirkungen auf sie als Person, auch wenn sie es vielleicht nicht anders wollte oder konnte. Es ist gut, dass du das machst und versuchst. Ich erinnere mich noch, wie neidisch ich war, als du das erste Mal feiern gegangen bist. Ich dachte: ‘Wie? Das geht mit einem neun Monate alten Baby? Krass. Warum kriege ich das nicht hin?’ Aber am Ende ist es egal, wann oder wie man es macht – es hängt alles vom eigenen Gefühl ab. Ich hatte mir das auch so vorgenommen und hatte das Gefühl, ich konnte es nicht so umsetzen, wie ich wollte. Deshalb ist es für mich ein besonders wichtiges Thema, darüber zu reden. Wie du schon gesagt hast, man braucht Unterstützung, sonst geht es nicht.
GRETA: Die Geburt und das Muttersein haben mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet, ich wusste nicht, was es wirklich bedeutet. Am Anfang war ich total überfordert – mit dem Baby, mit der neuen Familiensituation, dass man sich mit dem Partner absprechen muss, weil man jetzt eine Familie ist. Darauf ist man überhaupt nicht vorbereitet, auch körperlich nicht – wie sehr das meinen Körper verändert hat, wie man plötzlich abhängig und unfrei ist, nicht mehr selbstbestimmt. Am Anfang war das furchtbar. Ich habe zwölf Monate Elternzeit genommen, und es war auch eine ziemlich einsame Zeit, weil ich vorher so viele Interessen hatte und immer viel gemacht habe. Plötzlich konnte ich das alles nicht mehr, und ich habe mich dann hauptsächlich mit Dingen beschäftigt wie dem Muttersein, dem Baby, Beikost, Windeln, Babykotze und Babykacka. Aber das befriedigt nicht, wenn man das zwölf Monate lang macht. Man hört ja auch von Müttern, die darin total aufgehen und ihre Rolle finden, aber ich habe das nicht so empfunden und hatte wirklich keine Vorstellung davon, wie das wird.
CAECILIA: Ich glaube, man ist nie richtig vorbereitet – zumindest war ich es nicht. Ich war total naiv und dachte, es wird alles super entspannt, ich gebe das Baby einfach mal ab und mache nebenbei noch 1000 andere Dinge, wie ein Label gründen, haha. Aber man ist auch kaum darauf vorbereitet, weil so wenig darüber gesprochen wird. Ich habe gehört und gesehen, dass es möglich ist, während der Elternzeit ein Unternehmen zu gründen, aber für mich war das nicht drin.
GRETA: Ja, vielleicht erzählen die Leute auch einfach nicht die Wahrheit, weil man das ja nicht sagen darf.
CAECILIA: Im Gegensatz dazu gibt es jetzt aber auch immer mehr Offenheit, auch über solche Themen zu sprechen. Man hört es immer öfter, aber dann kommt auch der Moment, wenn man eine öffentliche Person ist und über diese Dinge spricht – was passiert, wenn das Kind irgendwann 15 ist und diese ganzen Geschichten liest? Wie ist das dann für das Kind? Das Kind kann ja wirklich nichts dafür. Andererseits kann man es vielleicht erklären – es hat nichts mit dem Kind zu tun, sondern mit der Mutterrolle und den gesellschaftlichen Erwartungen, die immer noch unglaublich aufgeladen sind, vor allem beim Thema Stillen, besonders in Deutschland. Ohne das Stillen könnte man die Aufgaben eigentlich viel schneller gleichberechtigt aufteilen."
GRETA: "Ja, genau, und vielleicht hilft es auch unseren Kindern, dass sie darauf vorbereitet sind, dass es eben nicht so ist, dass man von Anfang an diese riesengroße bedingungslose Liebe spürt, wenn ein Kind auf die Welt kommt. Ich weiß nicht, aber ich glaube, ich würde das meinem Kind lieber ehrlich und offen so weitergeben.

Selbstfürsorge, Superkräfte und die Realisation, dass wir uns als Mütter zu wenig feiern
CAECILIA: Ja, das ist etwas, das sich entwickelt. Gibt es Praktiken oder Rituale, die du während deiner Schwangerschaft entwickelt hast, die dir helfen, dich geerdet zu fühlen?
GRETA: Ja, vor allem in der zweiten Schwangerschaft ist Sport sehr wichtig für mich. Ich habe Schwimmen für mich entdeckt – es ist mega toll, sich so leicht zu fühlen. Außerdem gehe ich ins Aquafit mit anderen Schwangeren, das ist super lustig. Ich mache da eine Übung mit einer Schwimmnudel, die ist richtig cool. Es hilft mir, mich in meinem Körper wohlzufühlen. Nach meiner ersten Schwangerschaft habe ich etwa 15 Kilo zugenommen – aber nach der Schwangerschaft, nicht währenddessen. In dieser Schwangerschaft achte ich darauf, dass ich danach nicht wieder so aufgehe wie ein Hefeteig.
CAECILIA: Ja, aber voll nachvollziehbar. Man ist die ganze Zeit zu Hause, und das Stillen war bei dir ja auch nicht einfach. Das verbraucht ja normalerweise auch super viel Energie.
GRETA: Genau, ich hatte zu wenig Milch, meine Tochter hat nicht richtig zugenommen, und dann habe ich mir darüber total Sorgen gemacht und das alles in mich hineingefressen.
CAECILIA: Verständlich! Hat sich deine Sicht auf deinen Körper im Verlauf deiner ersten oder zweiten Schwangerschaft verändert? Egal, in welche Richtung.
GRETA: Ja, also während der letzten Schwangerschaft und auch während dieser fühle ich mich eigentlich total wohl in meinem Körper. Ich mag es sehr, dass die Brüste größer sind und dass man den Bauch jetzt sieht. Ich fühle mich sehr weiblich und genieße es, schwanger zu sein. Aber ich habe auch etwas Angst, weil es mich erschrocken hat, wie anders der Körper nach der Schwangerschaft ist. Der Körper verändert sich ziemlich stark – die Brüste sind nicht mehr so straff, der Bauch fühlt sich wabbelig an, und es gibt überall Dellen.
CAECILIA: Und in Bezug auf die Fähigkeiten deines Körpers, ist da noch eine andere Ebene?
GRETA: Ja, auf jeden Fall. Ich fühle mich stark, vor allem nach einer Geburt. Da habe ich mich wie Superwoman gefühlt – ich kann alles schaffen, ich bin die stärkste Frau der Welt. Es ist einfach so – wir Frauen sind richtig krass.
CAECILIA: YES! Noch eine Frage zur Schwangerschaft, und dann gehen wir über zur Mutterschaft. Gibt es Bücher, Apps oder andere Dinge, die du teilen möchtest, die dir während der Schwangerschaft geholfen haben?
GRETA: Ich habe ein Buch von Mareice Kaiser gelesen, 'Das Unwohlsein der modernen Mutter'. Das hat mir auf jeden Fall geholfen. Es geht um die Geschichte der Frau, und sie ist selbst zweifache Mutter. Man kann darin gut nachlesen, was wir Frauen alles leisten und was das alles bedeutet – was man an einem Tag alles schafft. Ich habe es nochmal gelesen und dachte mir: Ja klar, das ist mega krass, was wir alles leisten, aber man vergisst es, weil man ständig im Tun und Handeln ist.
CAECILIA: Ja, und wir feiern uns auch zu wenig.
GRETA: Total. Sonst bin ich eigentlich nicht der Typ für Ratgeber. Ich habe versucht, mich ein bisschen mit Hypnobirthing auf die Geburt vorzubereiten, aber ich bin da noch nicht richtig tief eingetaucht. Aber ich möchte mich gerne auf die Geburt vorbereiten.
CAECILIA: Cool. Das Hypnobirthing hast du bei der ersten Geburt offensichtlich nicht gemacht. Wie kam es, dass du jetzt dachtest, du möchtest etwas anderes ausprobieren?
GRETA: Weil ich dieses Mal in einem Geburtshaus entbinden werde, nicht in einem Krankenhaus, also außerklinisch. Ich habe viel Gutes darüber gehört und möchte mich von der Erfahrung der ersten Geburt befreien. Das war jetzt keine traumatische Geburt, aber es war auf jeden Fall auch keine selbstbestimmte Traumgeburt, würde ich jetzt mal sagen.
CAECILIA: Welche Erwartungen an dich selbst oder vielleicht auch Erwartungen von anderen gab es in Bezug auf das Mama-Sein, und wie sah die Realität aus?
GRETA: Ja, also Erwartungen hatte ich anfangs keine, aber ich hatte ein Bild davon, wie ich als Mutter sein würde. In meinem Kopf war klar, mein Kind würde auf jeden Fall in eine Waldorf-Kita gehen, da gab es keine Alternativen für mich. Und ich hatte immer Angst, oh Gott, hoffentlich werde ich nicht so wie meine Mutter. Aber letztendlich glaube ich, dass ich viel von meiner Mutter und meinen Eltern übernommen habe. Trotzdem bin ich offener und entspannter, als ich gedacht hätte. Ich habe viel Vertrauen, und das ist eigentlich sehr schön.
CAECILIA: Das ist wirklich schön, und das hat dir sicher auch jemand mitgegeben.
GRETA: Ja, auf jeden Fall.
CAECILIA: Weil, das deutet dann ja auch auf ein Urvertrauen hin. Und dafür sind deine Eltern verantwortlich.
GRETA: Ja, voll.

50-50? Im Traum vielleicht…
CAECILIA: Jetzt wird es interessant, mein Lieblingsthema. Was denkst du über die aktuelle Darstellung von Mutterschaft?
GRETA: Also, das ist schwierig, weil irgendwie immer gesagt wird, dass Gleichberechtigung existiert, Frauen selbstbestimmt sind, und Mütter sich jetzt Care Arbeit und Lohn Arbeit fair aufteilen können. Aber was ich sehe und spüre, ist, dass Gleichberechtigung noch längst nicht erreicht ist. Es ist überhaupt nicht so. Frauen sind auch nicht selbstbestimmt, weil sie oft, ich weiß nicht ... Kennst du Paare, die wirklich alles 50-50 gleichberechtigt machen?
CAECILIA: Ja, ich kenne welche, aber sehr wenige. 50-50 gibt es, glaube ich, nicht wirklich, es schwankt mal in die eine, mal in die andere Richtung, aber ich kenne Paare, wo der Mann tatsächlich mehr Care Work übernimmt als die Frau. Aber auch das hat oft mit der Karriere zu tun, wenn die Frau den besseren Job hat.
GRETA: Ja, total.
CAECILIA: Es gibt auch Paare, die 50-50 aufteilen wollten, wo die Frau den besseren Job hatte, und trotzdem klappt es nicht, zum Beispiel wegen des Stillens. Wenn man lange stillen möchte, ist man einfach anders abhängig und die Hauptperson für das Kind.
GRETA: Das ist das krasse am Stillen – wie sehr es dich als Mutter unfrei macht. Du kannst nicht einfach mal zwei Wochen weg oder ein Wochenende wegfahren. Vielleicht kannst du mal drei Stunden weg, aber dann hast du immer im Kopf: Oh Gott, hoffentlich hat mein Kind keinen Hunger.
CAECILIA: Ja, es gibt halt biologische Gründe, warum es gut für das Kind ist, lange gestillt zu werden. Das glaube ich auch. Trotzdem sehe ich eine parallele Entwicklung: Einerseits wird die Selbstbestimmtheit der Frau glorifiziert, andererseits das Stillen und das kommt halt nicht zusammen.
GRETA: Meine Hebamme sagte, sie betreut auch Feministinnen, die sich nach der Geburt eine Pille geben lassen, um nicht stillen zu können, weil sie nicht wollen. Ich kann das total nachvollziehen. Mein Partner meinte neulich, er wünscht sich, dass das Stillen dieses Mal klappt. Und ich dachte nur: Ja, schön, aber ich werde diesen ganzen langen Prozess und die Schwierigkeiten, die ich beim Stillen hatte, nicht nochmal durchmachen. Und das ist auch nicht seine Entscheidung.
CAECILIAI: Ja, das ist auch okay. Am Ende gibt es so viele wichtige Faktoren. Ich meine, ein schwules Paar kann ein kleines Baby auch wunderbar großziehen, ohne zu stillen.
GRETA: Ja, es geht hier auch um die Darstellung der Frau. Ich glaube, ich habe die Frage gar nicht richtig beantwortet.
CAECILIA: Genau, es ging zuerst um die Darstellung von Mutterschaft, und jetzt haben wir auch schon über Feminismus gesprochen. Haben sich deine Ansichten in Bezug auf Feminismus geändert, seitdem du Mutter bist?
GRETA: Auf jeden Fall, ja! Man fühlt sich fremdbestimmt, und ich glaube, das liegt auch an den Hormonen und allem Drumherum. Viele Dinge nimmt man sich vorher anders vor – man denkt, man ist feministisch und stark. Aber plötzlich verpufft das alles, weil man eben fremdbestimmt ist. Ich weiß auch nicht. Man ist nicht mehr die Starke mit einer klaren Meinung, sondern plötzlich Mutter, und alles fühlt sich anders an.
CAECILIA: Ja, voll. Ich glaube, wir haben schon darüber gesprochen, wie die Aufteilung nie wirklich gleichberechtigt ist. Habt ihr für das zweite Kind Dinge anders geplant?
GRETA: Ich habe noch nicht viel über die Elternzeit nachgedacht. Aber ich stelle mir vor, dass ich dieses Mal nicht ein ganzes Jahr in Elternzeit gehe und mein Partner nur zwei oder drei Monate. Stattdessen wollen wir es 50-50 aufteilen, und ich möchte früher wieder arbeiten gehen. Die beste Zeit war für mich, als wir wirklich alles 50-50 aufgeteilt hatten – mein Freund und ich arbeiteten beide 30 Stunden, und wir hatten beide gleich viel Zeit mit unserer Tochter. Wir haben alles aufgeteilt, und das war ein tolles Gefühl. Mein Partner hatte dann die gleichen Aufgaben wie ich und wusste genau, wie es ist, sich um Arzttermine, Einkäufe oder das Aussortieren von Klamotten zu kümmern. Wenn du 100 Prozent arbeitest, weißt du das gar nicht. Deshalb denke ich, es ist wichtig, dass man entweder die Rollen tauscht oder alles fair aufteilt.
Liebe? ‘Ja!’ Verklärung ‘Nein!’
CAECILIA: Ein kleiner Themenwechsel. Hat sich dein Konzept von Liebe verändert, seitdem du Mutter bist?
GRETA: Ja, schon, aber das ist keine weltbewegende Antwort. Diese bedingungslose Liebe ist schon etwas Besonderes. Es gibt Momente mit deinem Kind, in denen du so eine starke Liebe empfindest, das ist einfach unglaublich. Aber dann gibt es auch Momente, in denen du das Gegenteil fühlst. Ich wusste nicht, dass man so eine Liebe für jemanden empfinden kann. Die Liebe zu meinem Partner hat sich auch verändert. Ich finde Liebe als Wort etwas komisch, aber unsere Beziehung hat sich definitiv verändert. Wir sind nicht mehr nur Partner oder Freund und Freundin, sondern es ist etwas mehr. Ich finde Liebe einfach ein seltsames Wort.
CAECILIA: Ja, das Wort “Liebe” ist halt ein bisschen overused, obwohl es im Deutschen nicht so extrem ist wie im Englischen. Findest du das Wort zu groß oder was magst du nicht daran?
GRETA: Ja, es ist irgendwie zu einseitig. Ich finde, zu Liebe gehört auch das Gegenteil. Man kann nicht nur Liebe verspüren, vor allem wenn es um das Muttersein geht. Da sind so viele andere Gefühle im Spiel. Deswegen finde ich, dass das Wort Liebe alles zu sehr romantisiert, auch diese bedingungslose Liebe oder die riesige Liebe zu den Kindern. Natürlich liebt man sein Kind, aber auch, weil es eben dein Kind ist und man es irgendwie lieben muss. Oh Gott, was rede ich da?
CAECILIA: Du hast vorher viel über bedingungslose Liebe gesprochen, und das ist ein cooler Gedanke. Es fühlt sich einfach natürlich an, nichts Weltbewegendes, sondern normal, dass man so liebt. Aber es ist trotzdem eine neue Erfahrung.
GRETA: Ja, ich habe über bedingungslose Liebe gesprochen, aber ich habe auch gesagt, dass da viele andere Gefühle mit im Spiel sind. Liebe ist eines davon, aber es ist nicht so, dass ich jetzt mehr Liebe empfinde oder eine andere Beziehung zu dem Wort Liebe habe. Es ist nicht so, dass ich jetzt nur noch lieben kann. Ich weiß auch nicht.
CAECILIA: Ja, ich glaube, ich verstehe. Du meintest, du willst es nicht romantisieren.
GRETA: Genau.
Muttersein ist scheiße schön
CAECILIA: Was ist das Beste und was ist das Schlimmste am Muttersein? Hast du dazu Gedanken?
GRETA: Das Beste ist, dass man selbst wieder ein bisschen Kind sein kann, finde ich. Man bekommt eine neue Sichtweise. Ich sehe, wie viel wir verlernt haben, was Kinder noch können, und wir können uns so viel von ihnen abschauen. Kinder sind einfach so cool, so faszinierende Lebewesen. Das finde ich richtig toll. Man kann diese antrainierte Kontrolle, dieses Funktionieren-Müssen, einfach mal ablegen, und das ist schön. Das Schlechteste: Dass man so unfrei ist. Man muss auf der anderen Seite wieder funktionieren, und das Spontane fällt weg. Dieses ‚Scheiß drauf, was morgen ist‘, geht einfach nicht mehr so gut.
CAECILIA: Kann man schon machen, aber der nächste Tag ist dann hart.
GRETA: Auf jeden Fall.
CAECILIA: Gibt es etwas, das du gerne mit anderen schwangeren Frauen teilen möchtest? Du hast schon viel geteilt, aber hast du noch einen Tipp oder ein Statement?
GRETA: Ja, ich glaube, es ist gut, sich so wenig wie möglich Gedanken über Dinge zu machen. Man sollte einfach handeln. Das ist leichter gesagt als getan, aber ich glaube, es tut gut, die Gedanken mal auszuschalten. Natürlich haben wir immer viel im Kopf und müssen viel nachdenken, aber es tut mir gut, wenn ich nicht alles zerdenke.
CAECILIA: Zum Abschluss: Warum hat mir niemand gesagt, dass...?
GRETA: Dass das Muttersein so scheiße schön ist.
CAECILIA: Das ist ein guter Abschluss. Vielen, vielen Dank.
Greta trägt unsere Posh Pants
Interview: Caecilia Pohl
Fotografie: Marina Hoppmann
Greta trägt unsere Posh Pants
Interview: Caecilia Pohl
Fotografie: Marina Hoppmann