"Darf ich noch Salat essen?"
Genau das wird Flora mittlerweile gefragt: Salat in der Schwangerschaft, ja oder nein? Nach 17 Uhr noch essen, ja oder nein? Süß, salzig, deftig, was ist erlaubt?
Für Flora geht es bei Ernährung eigentlich um etwas anderes, nämlich um die Verbindung zu deinem eigenen Körper, zu dem, worauf du gerade Lust hast, was dein Körper gerade will. Darauf solltest du hören. Stattdessen wird dir erzählt, jede Entscheidung sei entweder lebenswichtig oder gefährlich, dazwischen gibt es nichts. Das Problem ist, wer sich an lauter Regeln abarbeitet, verlernt das Wichtigste, auf die eigene Intuition zu hören und ihr zu vertrauen, statt bei jedem Bissen zu zweifeln, ob das jetzt richtig war. Diese Angst vor der falschen Entscheidung zieht sich für Flora durch die ganze Schwangerschaft, bis hin zur Geburt selbst. Und dort hat sie ein besonders gehyptes Beispiel.
Hypnobirthing: die nächste perfekte Geburt
Hypnobirthing gibt Flora bewusst nicht 1:1 weiter, obwohl das in ihrer Branche eher unüblich ist. "Es wird ausgeklammert, dass die Geburt auch nicht sanft, nicht selbstbestimmt und auch nicht hypnotisch sein kann", sagt sie. Für sie ist es ein gutes Werkzeug, um Entspannung zu lernen, und gleichzeitig ein weiteres Programm, dem Frauen hinterherlaufen sollen, um zur "perfekten Geburt" zu kommen.
Was dabei laut Flora verloren geht: dass ein Kaiserschnitt eine gute Option ist, kein Scheitern. Und dass echte Entspannung nicht durch Kontrolle entsteht, sondern durchs Loslassen, durchs Vertrauen in den eigenen Körper, egal was gerade passiert.
Genau dieses Misstrauen gegenüber Programmen, die dir vorschreiben, was du brauchst, um alles richtig zu machen, hegt Flora noch woanders, beim Einkaufen für den Nachwuchs.
Der teuerste Wirtschaftszweig sind werdende Eltern
"Die Bubble der werdenden Eltern ist der lukrativste Wirtschaftszweig", sagt Flora. Was dir niemand sagt, weil sich damit nichts verkaufen lässt: Du merkst erst in der Situation, was du wirklich brauchst. Vorher lässt sich das kaum wissen.
Die Federwiege, die teure Wickelkommode, zehn Bodys in Langarm und zehn in Kurzarm, der Premium-Autositz und am Ende liegt das Kind am liebsten in der Achselhöhle der Mama und zwei Bodys reichen auch. Ihr Rat: das gesparte Geld lieber in Begleitung stecken. In eine gute Hebamme, in Postpartum-Care, in eine Doula.
Wofür genau diese Begleitung nach der Geburt gebraucht wird, bringt Flora auf einen einfachen Nenner: Ja und Nein sagen können, zur richtigen Zeit.
Postpartum: mehr Nein
Nach der Geburt, sagt Flora, darfst du öfter Nein sagen. Nein zu Besuch. Nein zu Care, die du nicht willst. Und Ja zu dem, was dir wirklich hilft, Hebamme, Massage, Osteopathie, was auch immer die Verbindung zu dir selbst zurückbringt.
"Die Verbindung zu deinem Baby, die hast du automatisch", auch wenn sie bei manchen langsamer kommt, das ist kein Versagen. "Aber die Verbindung zu dir, die ist auch richtig wichtig." Genau dieses Verschwinden hinter dem Baby hat Flora nicht nur selbst erlebt, sondern sieht sie auch regelmäßig bei den Frauen, die sie begleitet.
"Die Welt sieht nur noch das Baby"
Das passiert laut Flora selbst bei Frauen, die sich bewusst für eine Doula entschieden haben und entsprechend reflektiert sind. Ihr Job in diesen Momenten: die Frau zurückholen. Nicht mit großen Gesten, sondern mit konkreten Fragen. Wie fühlen sich deine Schultern an. Worauf hast du gerade Lust, oder eben nicht. Wie atmest du gerade.
Floras wichtigster Rat, von dem sie selbst weiß, wie schwer er zu befolgen ist: Pausen machen. Geld für sich selbst ausgeben, nicht für noch mehr Gadgets, sondern für einen entspannten Kopf und Körper.

Was Flora sich für jede werdende Mutter wünscht: "Ich wünschte, dass jede werdende Mama zu hundert Prozent weiß, dass ihr Körper das schaffen wird, dass sie das schaffen wird." Und dass sie offen bleibt für den Weg dorthin, statt einem vorgegebenen Programm zu folgen.
Flora trägt die Posh Pants in Nasturtium Orange
Text und Bilder: Caecilia Pohl
Mehr von Flora findest du auf ihrer Website oder bei Insta @holi_womb
Text und Bilder: Caecilia Pohl
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