Ein bisschen mehr "whatever works"

Ein bisschen mehr "whatever works"

Vor dem ersten Kind hat man viele Vorstellungen und keine Ahnung. Zumindest ging es mir so. Und selbst, wenn man viele Menschen mit Kindern in seinem Umfeld hat denkt man sich oft "das mach ich anders, kann mir nicht passieren". Beim zweiten Kind geht man dann natürlich etwas anders an die Sache ran, denn man hat seine eigenen Erfahrungen gemacht. 
Meine möchte ich an dieser Stelle mit euch teilen...

Das Erleben der Schwangerschaft

Klar ist, die zweite Schwangerschaft kann man - selbst wenn man es möchte - nicht so zelebrieren, wie beim ersten Mal. Da ist bereits dieser andere kleine Mensch und die ganzen Alltagsroutinen, die drum herum organisiert werden müssen.
Momente sich wirklich auf die erneuten Veränderungen des Körpers einzulassen hatte ich also wenig. Was ich dabei krass fand war, wie viel mehr Angst ich vor allem im ersten Trimesters vor einer Fehlgeburt oder Komplikationen hatte. Ich kannte mehr Frauen die Fehlgeburten erlebt haben (sicher auch durch unsere Arbeit für IUMI). Ich war ein paar Jahre älter. Und mein Körper nicht mehr in dem Zustand, wie ohne Kind - Schlafmangel über Jahre, wenig Zeit für Sport oder Me Time und mehr Stress durch jonglieren von Work, Life und Business sind nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Außerdem weiß man ja irgendwie noch mehr, was man zu verlieren hat.

Geburtsplan

Die erste Geburt wünschte ich mir möglichst interventionsfrei. Und Geburtsberichte wollte ich vorher nicht hören (darüber habe ich auch schon in diesem Artikel geschrieben). Ich beschäftigte mich entsprechend auch relativ wenig mit den möglichen Schwierigkeiten und Eingriffen. Heute weiß ich, dass vor allem das Gefühl von Kontrollverlust und fehlender Selbstbestimmung die erste Geburt zu einem belastenden Erfahrung gemacht hat. Deswegen habe ich mich für die zweite Geburt darauf vorbereitet, dass es anders kommen kann, als geplant und versucht mir Techniken anzueignen, um mich, egal in welcher Situation, zu entspannen.

Maternal Gate Keeping

Auch wenn ich behaupten würde meilenweit von Maternal Gate Keeping entfernt zu sein, war und ist mein erstes Kind ein totales Mamakind. Deswegen war mir klar: das zweite wird für meinen Partner. Dazu gehört für mich mittlerweile auch, dass ich mein Baby nicht jedes Mal stille, wenn es weint (und Papa da ist), sondern es öfters an ihn abgebe. Beruhigung hat viele Formen und ich glaube fest daran, dass jeder Part seine eigene Methode finden kann und muss. Rückblickend glaube ich nämlich schon, dass mein Partner bei unserer Nummer 1 da zu wenig Raum dafür hatte.
Deswegen steht das Beistellbett dieses Mal auf seiner Seite. Und tatsächlich schläft unser Baby nachts dort und wir holen es nur zum Stillen zu uns. Hätte ich mir vorher nie vorstellen können. Und ehrlich gesagt, finde ich es immer noch etwas unfair, dass wir drei in einem Bett schlafen und der Mini wird ausquartiert. Aber: angeblich schlafen Babies so sogar besser. Wenn sie nicht ständig durch die zuckersüße Verheißung von Mamas Milch gelockt werden, sobald sie kurz aufwachen, schlafen sie eher von selbst wieder ein. Bei uns funktioniert es zumindest. So sind am Ende die Nächte für alle ruhiger. Und gekuschelt wird dann eben anderweitig.

Feed it

Stillen bindet ein Kind unweigerlich an die Mutter. Uns war von Anfang an klar, dass ich auch abpumpen und wir mit Flasche füttern wollen. Angefangen haben wir beim ersten Kind damit nach ein paar Monaten. Die Weigerung war groß und unser Durchhaltevermögen das Gegenteil. Am Ende hat das bedeutet, dass ich mehr als anderthalb Jahre die Einschlafbegleitung gemacht habe, denn das in den Schlaf Stillen war unsere bewährte Methode. Diese Erfahrung war das, was am dicksten auf unserem Plan der "Optimierungsliste" stand. Deswegen haben wir die Flasche dieses Mal erfolgreich mit drei Wochen eingeführt und uns bisher auch durch die Phasen der Weigerung gekämpft. Einschlaffüttern funktioniert zwar trotzdem (noch) nicht, aber zumindest haben wir eine Alternative zu meiner Brust. Ich versuche außerdem dieses Mal das Einschlafen und Stillen zu entkoppeln, indem ich das nicht im Bett mache, sondern auf dem Sofa. Das war bei unserem großen Kind der erste Schritt zur Entwöhnung und in den meisten Fällen aktuell mein Maximum.

Während ich bei der ersten Runde doch recht dogmatisch war, versuche ich jetzt eher mit dem Mindset "whatever works" ranzugehen. Deine Geburt war nicht "natürlich" weil du eine PDA hattest - so what?! Das Baby "darf" nicht im Elternbett schlafen - so what?! Du gibts das Baby an Papa ab, wenn es schreit, statt den easy way out stillen zu wählen - so fucking what?!

 

Kinder bekommen und großziehen ist hart genug, da muss man es sich nicht noch schwerer machen!




Die Bilder entstanden bei unserem Shooting mit Lovis Trummer. Mit Hautnah Shooting hat sie sich auf Fotos rund um Woman- und Motherhood spezialisiert.


Text: Antonia Pahlke
Fotos: Lovis Trummer

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