Rica, wie viel Glitzer liegt gerade in deiner Wohnung rum?
Keiner, sagt sie zuerst. Dann korrigiert sie sich: ein bisschen, auf zwei Bildern. Sie hatte mal eine Phase, in der sie Glitzer auf ihre Porträts gestreut hat.
Keiner, sagt sie zuerst. Dann korrigiert sie sich: ein bisschen, auf zwei Bildern. Sie hatte mal eine Phase, in der sie Glitzer auf ihre Porträts gestreut hat.
„Ich finde es mega geil."
In der Kunstwelt gilt das eher als Kitsch. Warum machst du's trotzdem?
"In der Uni wurde ich gefragt, ob das Glitzer jetzt sein muss. Die Professoren dachten eher: Kann man das nicht malerisch lösen? Aber mir macht es Spaß, das spielerisch zu machen und nicht alles so ernst zu nehmen."
Genau dieser Satz zieht sich durch das ganze Gespräch. Rica Rosa hat Modedesign studiert, ein eigenes Label gegründet, dann Kunst studiert. Heute fotografiert sie vor allem Familien und Hochzeiten und malt außerdem Porträts. Zur Kamera kam sie über Umwege: Ein Kurs während des Modestudiums, dann die eigene Kollektion, irgendwann eine Freundin, die sie bat, ihre Hochzeit zu fotografieren. „Das war dann ein Selbstläufer." Was sie an beidem, Malerei wie Fotografie, fasziniert, ist der Blick auf einen Menschen, die Neugier, was das für eine Person ist. Was sie trennt: „Beim Malen bin ich für mich allein. Beim Fotografieren bin ich im Gespräch. Bei beidem komme ich in einen Flow und vergesse die Zeit, aber das eine ist Austausch und das andere Rückzug."
In der Kunstwelt gilt das eher als Kitsch. Warum machst du's trotzdem?
"In der Uni wurde ich gefragt, ob das Glitzer jetzt sein muss. Die Professoren dachten eher: Kann man das nicht malerisch lösen? Aber mir macht es Spaß, das spielerisch zu machen und nicht alles so ernst zu nehmen."

Genau dieser Satz zieht sich durch das ganze Gespräch. Rica Rosa hat Modedesign studiert, ein eigenes Label gegründet, dann Kunst studiert. Heute fotografiert sie vor allem Familien und Hochzeiten und malt außerdem Porträts. Zur Kamera kam sie über Umwege: Ein Kurs während des Modestudiums, dann die eigene Kollektion, irgendwann eine Freundin, die sie bat, ihre Hochzeit zu fotografieren. „Das war dann ein Selbstläufer." Was sie an beidem, Malerei wie Fotografie, fasziniert, ist der Blick auf einen Menschen, die Neugier, was das für eine Person ist. Was sie trennt: „Beim Malen bin ich für mich allein. Beim Fotografieren bin ich im Gespräch. Bei beidem komme ich in einen Flow und vergesse die Zeit, aber das eine ist Austausch und das andere Rückzug."
Der erste Neuanfang, der gewählte
Das Modelabel gibt es noch. Nur ohne sie. Adriana Rica hieß es, zusammengesetzt aus zwei Vornamen, gegründet mit einer Studienkollegin.
Wer von euch hat damals zuerst gesagt, dass Schluss ist?
„Ich bin rausgegangen, weil ich angefangen habe, Kunst zu studieren und das wurde dann zu viel. Es war aber auch nicht einfach, ein längerer Prozess, wir hatten schon viel gemeinsam aufgebaut. An den Punkt zu kommen zu sagen, ich gebe das jetzt auf, war schwer. Aber als ich es geschafft hatte, war das eine Erleichterung."
Was fehlt dir davon, was nicht?
„Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich das wahrscheinlich immer noch machen. Man kreiert etwas, es entsteht etwas, das andere tragen können. Das fand ich immer total schön. Der Verkauf dagegen war anstrengend. Man macht ja alles selbst, ist zu zweit, bräuchte eigentlich zehn, zwanzig Leute mehr."
„Ich bin rausgegangen, weil ich angefangen habe, Kunst zu studieren und das wurde dann zu viel. Es war aber auch nicht einfach, ein längerer Prozess, wir hatten schon viel gemeinsam aufgebaut. An den Punkt zu kommen zu sagen, ich gebe das jetzt auf, war schwer. Aber als ich es geschafft hatte, war das eine Erleichterung."
Was fehlt dir davon, was nicht?
„Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich das wahrscheinlich immer noch machen. Man kreiert etwas, es entsteht etwas, das andere tragen können. Das fand ich immer total schön. Der Verkauf dagegen war anstrengend. Man macht ja alles selbst, ist zu zweit, bräuchte eigentlich zehn, zwanzig Leute mehr."
Ein Label kann man verlassen. Bei dem, was als Nächstes kommt, ist das komplizierter.
Der zweite Neuanfang, der nicht ganz gewählte
Du hast dich für ein Kind entschieden. Für das, was danach mit dir passiert, nicht.
Kurze Pause. Dann: „Das war auf jeden Fall auch eine Entscheidung und es war ein langer Weg. Ich wollte erst gar keine Kinder, dann kam es doch irgendwann so."
Kurze Pause. Dann: „Das war auf jeden Fall auch eine Entscheidung und es war ein langer Weg. Ich wollte erst gar keine Kinder, dann kam es doch irgendwann so."
Sie erzählt von neun Nichten und Neffen, von älteren Geschwistern, die alle Kinder haben und davon, wie viel Arbeit sie da schon als Sechzehnjährige mitbekommen hat, ohne es wirklich zu verstehen. Von der Therapie, die ihr geholfen hat, sich die Entscheidung zuzutrauen. „Ich dachte lange, ich könnte die Verantwortung nicht tragen. Jetzt wusste ich zwar, was auf mich zukommt und trotzdem war es dann nochmal anders, krasser. Aber gleichzeitig wunderschön. Beides existiert nebeneinander."
Was in der Schwangerschaft selbst nebeneinander existierte, war weniger versöhnlich.
„Ich war ziemlich angespannt und ängstlich, hab mich am Anfang nicht mal getraut zu duschen. 2024 hatte ich eine Fehlgeburt. 2025 wurde ich wieder schwanger und war entsprechend ängstlicher. Ich hatte eine Komplikation, eine Blutung, dachte, jetzt ist alles vorbei. Es war am Ende nur ein Hämatom, aber das hat sich sehr lange gezogen. Beruhigt hat sich das erst in den letzten Monaten."
Die Angst blieb, bis das Kind da war.

Und wie war das dann nach der Geburt für dich?

Und wie war das dann nach der Geburt für dich?
„Im Krankenhaus kamen Leute, und man merkt genau, alle wollen eigentlich nur das Kind sehen. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand fragt: was brauchst du, statt nur Geschenke mitzubringen. Ich hab dann die ersten zwei, drei Wochen fast niemanden gesehen, das war auch gut so, aber ich hatte das Gefühl, ich müsste ständig selbst sagen, dass ich in Ruhe gelassen werden will, statt dass danach gefragt wird. Mehr Sensibilität wäre schön gewesen."
Ein Thema, das sie ohne Umweg zum nächsten bringt: „Beim Elterngeld bekommt man den vollen Betrag nur einen Monat gemeinsam. Total unrealistisch, auch aus Sicht des Kindes. Es wäre doch viel schöner, eine längere Zeit gemeinsam als Familie zu haben."
Das Bild, das sie nie machen würde
Du fotografierst auch Familien. Wie ist das bei euch. Wo bist du auf euren Fotos?
„Es gibt diesen Gap. Ich mach so viele Fotos von meinem Freund mit unserem Kind, aber er kaum welche von mir. Ich hab gehört, das ist in anderen Familien auch so."
Angenommen, du würdest dich selbst fotografieren, als Mutter, aber ohne Kind im Bild. Wie würde das aussehen?
Sie überlegt kurz. „Ein ganz normales Porträt. So, wie ich dich als Frau fotografieren würde. Mit leichtem Hintergrund. Man würde wahrscheinlich sehen, dass ich müde Augenränder habe und das würde dazugehören."
Sie überlegt kurz. „Ein ganz normales Porträt. So, wie ich dich als Frau fotografieren würde. Mit leichtem Hintergrund. Man würde wahrscheinlich sehen, dass ich müde Augenränder habe und das würde dazugehören."
Und dann, ohne dass die Frage danach verlangt hätte: „Ich würde mich nicht so fotografieren, dass man sieht, wo sich durchs Stillen etwas verändert hat. Oder eine Narbe vom Kaiserschnitt. Das fände ich zu plakativ”


Ein Tag, vier Stunden
Zurück ins Konkrete. Ein normaler Tag bei Rica Rosa: früh raus, fünf oder sechs Uhr, dann wechseln sie und ihr Freund sich ab. Wer nicht beim Kind ist, arbeitet. „Wenn er arbeiten würde, wär's schwieriger, mit Baby fotografieren geht kaum. So kann ich stundenweise ran."
Wann warst du zuletzt drei Stunden ungestört?
„Gestern Abend, tatsächlich. Das Kind schläft mittlerweile vier Stunden am Stück durch. Ich hab ein Babyphone mit Kamera und wenn ich seh, dass er aufwacht, geh ich rüber. Ich glaub, er hat inzwischen die Sicherheit, dass jemand direkt kommt, wenn er ruft."
Wann warst du zuletzt drei Stunden ungestört?
„Gestern Abend, tatsächlich. Das Kind schläft mittlerweile vier Stunden am Stück durch. Ich hab ein Babyphone mit Kamera und wenn ich seh, dass er aufwacht, geh ich rüber. Ich glaub, er hat inzwischen die Sicherheit, dass jemand direkt kommt, wenn er ruft."
Vier Stunden, in denen ihr Freund aufpasst und sie sich mit Freunden trifft, oder, wenn es mal länger geht, ins Atelier fährt. „Ich freu mich schon, wenn das wieder öfter klappt."
Der Satz, den sie gebraucht hätte
Welchen Satz hättest du im ersten Jahr als Mutter gebraucht?
„Den hab ich mir wahrscheinlich selbst gegeben: du machst schon alles gut. Was brauchst du noch? Aber das auch von anderen zu hören, wäre schön gewesen. Dieses Vertrauen: du machst schon alles gut, das kannst du nicht falsch machen."
„Den hab ich mir wahrscheinlich selbst gegeben: du machst schon alles gut. Was brauchst du noch? Aber das auch von anderen zu hören, wäre schön gewesen. Dieses Vertrauen: du machst schon alles gut, das kannst du nicht falsch machen."
Sie sagt es leise, aber ohne zu zögern. Nach der Fehlgeburt, dem Hämatom, den durchwachten ersten Wochen klingt er wie der Satz, den sie sich in den bangen Monaten oft genug selbst vorgesagt hat, bis er saß.
„Angst zu haben, ist einfach auch Teil vom Elternsein."
Warum sie überhaupt vor der Kamera stand
Letzte Frage. Du stehst sonst hinter der Kamera. Warum hast du dich bei uns gemeldet, als wir Models gesucht haben?
Sie lacht. „Ganz ehrlich? Ich war scharf auf die Hose. Ich dachte, ich krieg die vielleicht geschenkt."
Sie lacht. „Ganz ehrlich? Ich war scharf auf die Hose. Ich dachte, ich krieg die vielleicht geschenkt."
Die Farbe hat sie überzeugt, sagt sie noch. „Es gibt so wenig davon. Schwarz habt ihr auch, ist auch cool, aber ich wollte unbedingt eine bunte. Die hab ich vermisst."
Rica Rosa lebt und arbeitet als Fotografin und Künstlerin in Berlin. Sie hat für dieses Interview unsere Posh Pants in Raspberry Pink getragen und später auch gekauft.
Interview, Bilder und Text: Caecilia Pohl